"Unser Gedächtnis wird jeden Tag neu geboren. Erinnerungen sind keine für alle Zeiten ins Sein gemeißelte Keilschrift- Texte, sie gleichen vielmehr flüchtigen WORD Dokumenten, die man sich gelegentlich auf seinen Bildschirm holt, ein bisschen bearbeitet und dann neu abspeichert." (Elisabeth Loftus, amerikanische Psychologin und Gedächtnisforscherin)
Das Zitat hat mich seit vielen Wochen beschäftigt, eigentlich bereits seitdem ich auf einmal die Fotos meiner von mir verloren geglaubten Kindheit aus dem geheimnisvollen Äther des Internets geschickt bekam.
Ich habe mein kindliches Gedächtnis zum größten Teil (noch) nicht wiedergefunden, aber: ich habe begonnen, das was ich erinnere so wie es war zu akzeptieren. Und ich habe für mich etwas sehr wichtiges erkannt: Die Fakten der Vergangenheit kann ich nicht ändern, aber die eigenen abgespeicherten Gefühle dazu, die kann ich selbst gestalten. Das ist neu für mich, und das habe ich gerade durch direkte spirituelle Erfahrung dazu gelernt.
Wie ich das angestellt habe: ich habe mir alles, was mir so tatsächlich passiert ist und eventuell passiert sein könnte, aus einer anderen Perspektive angesehen. Ich bin in einer schamanischen Reise direkt als riesiges Federtier über meine Vergangenheit geflogen, habe die Dinge sozusagen aus der Vogelperspektive angesehen, wie einen komischen Film, in dem ich die Hauptrolle spiele.Und ich habe zum Teil herzlich dabei gelacht, obwohl sicherlich nicht alles lustig war, was mir so passierte.
Mein kindliches Ich war aus dieser Sicht gar nicht mehr traurig und verzweifelt, im Gegenteil, es war erstaunt. Erstaunt darüber darüber, wie ich alles, was mir passiert ist, allein und ohne jegliche Hilfe gemeistert habe, erstaunt über die überdimensionale Kraft - die Kraft der Liebe, die tief in mir schlief und durch nichts gebrochen werden konnte. Über die Behutsamkeit, die ich dadurch lernte, und ich erstaunte über die Menschen, die ich trotz alledem liebe.
Dabei war es gar nicht mehr so wichtig was sie getan haben, was es war, das mich in seiner Summe hierher und in das Jetzt befördert hatte. Wichtig allein war: alles, was mit mir geschehen ist, als ich es noch nicht bewußt gesteuert habe, hat mich zu der gemacht, die ich heute bin, zu einer starken Frau, die sich selbst und ihre Mitmenschen liebevoll annehmen kann.
Die zweite Erkenntnis war: Ich hätte den Weg des Heilens nie ohne diese Verletzungen beschreiten können, er wäre mir verschlossen geblieben. Es kommen heute die Menschen zu mir, die ähnliches erlebt haben und bei mir zuerst einmal das suchen, was mir damals verwehrt wurde: Mitgefühl, Liebe, und Verstehen der Situation.
Ich kann mich bei anderen nur in das Geschehen hineinversetzen, welches mir irgendwann einmal selbst passiert ist, zumindest in ähnlicher Form. Somit ist mir klar geworden: ich heile bei anderen, was ich vorab in mir selbst heilen konnte. Was also in meiner Seele bereits vollständig geheilt ist, bleibt als Erfahrung, als Wissen für mich und meine Mitmenschen.
Wie wunderbar!
Der Weg des Heilens ist wirklich sehr lang und teilweise beschwerlich, aber wie schön ist es, ihn mit dieser Erkenntnis zu beschreiten.






















